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Band 66

Bernhard Schlörit:

Auf dicken Pötten um die Welt

Ein Funkoffizier erinnert sich an die Bulkfahrt

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- Auf dicken Pötten um die Welt -

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Dieser neue Band 66 hat das Zeug, zu einem Bestseller der Seemanns-Erinnerungsliteratur zu werden und wird sicher wieder nicht nur ehemalige Seeleute lebhaft an ihre aktive Fahrzeit erinnern, sondern auch Landratten einen guten Einblick in die Seefahrt der 1970-80er Jahre vermitteln.  Ohne bürgerlich-moralische Verklemmungen oder Tabus schildert Bernhard Schlörit sehr offen auch die Bewältigung der jugendlichen Libido der Seeleute.

Leseprobe:

 

Später Abendessen in der Offiziersmesse.  Und da klappt mir erst mal der Kiefer runter.  Auf den Tischen stehen Blumen.  Stoffservietten wie im Grand Hotel.  Und ein Chiefsteward, der sich benimmt wie der Oberkellner des Grand Hotels.

Der Blitz, der mir gegenüber sitzt, grinst, als er mein entgeistertes Gesicht sieht.  „So haben wir gestern auch aus der Wäsche geguckt.  Der Steward und der Koch sind erst seit gestern an Bord, aber ein absolutes Dreamteam, sage ich dir.  Wenn der Koch so weiter macht wie bei den bisherigen drei Mahlzeiten, schmeissen die den raus, weil er zu teurer fährt.

Leseprobe:

...kurz vor Wartereede Suez haben wir ein Problem.  Der Alte ist wieder besoffen und dummerweise in seiner aggressiven Phase.  Er blökt wüst in der Kammer herum und kündigt tobend an, dem „Araberpack“ mal gewaltig den Marsch zu blasen.  Und keine einzige Stange Kippen für die Fellachen, jetzt sei Schluss mit Lustig.  Ich spreche den Chiefmate an, das wird `ne Katastrophe, wenn Walterchen in dieser Verfassung auf der Brücke oder zur Einklarierung erscheint.  Wenn der da einen Affentanz aufführt, legen die Ägypter uns glatt an die Kette, „off hire“ mit allen Konsequenzen.  Die möglichen Kosten für die Reederei, neben dem ganzen Ärger und auch der Blamage, wollen wir uns gar nicht erst vorstellen.  Dem Ersten bricht der Schweiß aus, jetzt ist Handeln gefordert, und unangenehm sind die Folgen auf jeden Fall.  Walterchen selbst zeigt dann aber einen Ausweg.  Während wir, in Ansteuerung Suez mit langsamer Fahrt laufend, noch überlegen, erscheint der Chiefsteward auf der Brücke.  Er sei eben beim Alten in der Kammer gewesen, der sei jetzt eingepennt.  Läge in vollen Klamotten auf der Koje und ratze wie ein Bär im Januar.  Erfahrungsgemäß ist er dann auch über Stunden nicht wach zu kriegen.  Der Erste reagiert blitzschnell.  Runter in die Kapitänskammer, der Alte hat nebenan `nen separaten Schlafraum und heckt gar nix.  Chiefmate schnappt sich den Schlüsselbund des Kapitäns vom Schreibtisch, daran der Master-Key und alle anderen Schlüssel Walterchens.  Und schließt den Kommandanten kurzerhand in seiner Butze ein.  Wir gucken uns alle an und fangen unwillkürlich an zu prusten.  Es dürften nicht viele deutsche Handelsschiffe jemals den Suezkanal passiert haben, während der Kapitän von seiner Crew unter Verschluss gehalten wurde.  Vielleicht waren wir die ersten.  Unter den gegebenen Umständen war es aber die richtige Maßnahme.

Die eine Stunde später stattfindende Einklarierung verläuft glatt wie sonst was.  Die Abwesenheit des Kapitäns begründet Chiefmate mit einer extremen Erkältung desselben, er könne gar nicht sprechen.  Und die Behörden-Fuzzys scheißt der Erste dermaßen mit Marlborostangen zu, dass die völlig überrascht über soviel Großzügigkeit nichts weiter hinterfragen, alles brav abstempeln und sich mit ihrer unerwartet umfangreichen Beute glücklich wieder verziehen.  Erste Hürde geschafft.

 

Leseprobe:

...Mauretanien haben wir gerade hinter uns gelassen, irgendwo hinter der Kimm ist der Senegal, da legt uns der Decksschlosser ein dickes Ei.  Vielmehr legt er sich selbst eins.  Es ist Sonntag, Teile der Decksgang sind zur Arbeit eingeteilt.  Sind prima zuschlagspflichtige Überstunden und daher sehr beliebt.  Man nennt das „Zutörnen“.  Timmi, wie der Schlosser traditionell genannt wird, hat sich aber am Samstagabend gewaltig einen geballert.  So richtig bis „Land unter“.  Zur Arbeitseinteilung am Sonntagmorgen tritt er zwar an, kann allerdings kaum aus den Augen gucken.  Sieht aus wie ein frisch gevögeltes Eichhörnchen.  Tja, und dann ist er verschwunden.  Irgendwann wird er aber vermisst, alle Mann suchen Timmi.  Keine Spur von dem Typen, der ganze Dampfer wird abgegrast.  No Timmi in sight.  Die Fahndung geht weiter, völlig ergebnislos.  Jetzt ist der Alte aber auf höchster Alarmstufe, alles deutet darauf hin, dass Timmi in seinem Suff über die Kante gegangen ist.  Mann über Bord, so mit das Übelste, was einem Seemann zustoßen kann.  Der Chiefmate kreuzt bei mir auf, in Kürze wird man wenden und mit der Suche beginnen.  Und für mich heißt das, dass nun eine Dringlichkeitsmeldung zu senden ist.  Auf der Not- und Anruffrequenz 500 kHz erfolgt dann ein Funkspruch etwa mit dem Inhalt: XXX XXX XXX DE DADY DADY DADY MV/PROPONTIS/ DADY REPORT MAN OVERBOARD BETWEEN POS ………… AND POS …….SHIPS IN VICINITY PLS KEEP SHARP LOOKOUT AND ASSIST IF POSSIBLE.  Die vor dem Funkspruch gesendete Dreiergruppe XXX signalisiert höchste Dringlichkeitsstufe unterhalb eines SOS.  Schiffe in der Umgebung würden sich der Suche anschließen, unter Umständen über einen längeren Zeitraum.  Erst, wenn nach menschlichem Ermessen kein Überleben mehr möglich ist, würde man die Suchaktion abbrechen.  Na bravo, jetzt war dicke Luft im Karton.

Ich schreibe schon mal den Meldungstext und werfe den Sender an.  Die Positionen des Suchstreifens würde man mir gleich von der Brücke übermitteln, die kann ich dann noch einfügen.  Sitze da und warte.

Draußen im Gang plötzlich Stimmengewirr.  Entfernt höre ich: „Wir haben ihn!“  Ich raus aus der Station, Herbie läuft mir über den Weg.  „Wo war der denn? – „Du glaubst das nicht.  Seine Kammer haben wir schon zweimal kontrolliert, und eben guckt der Alte selbst noch mal rein, da kommt unter der Koje ein Arm vor.  Der Blödmann hat sich zum Pennen einfach verpisst und damit ihn keiner stört, unter die Koje gelegt!“  Wir sind alle stocksauer auf Timmi, aber auch verdammt froh.  Timmi hat danach ein verflucht unangenehmes Vieraugengespräch mit dem Alten.  Der Alte ist sonst ein absolut ruhiger Vertreter, aber jetzt hört man ihn über zwei Decks, trotz geschlossener Office-Tür.  Timmi bekommt eine detaillierte Aufrechnung präsentiert, was ihn ein Wendemanöver mit anschließender stunden- oder auch tagelanger Suche gekostet hätte.  Ölverbrauch, Charterausfall etc, etc.  Da ist der komplette Dampfer in Aufruhr, und dann kriecht dieser Döspaddel unter der Koje hervor.  Erleichtert zerknülle ich die vorbereitete Dringlichkeitsmeldung und schmeiße sie in den Papierkorb...

 

Leseprobe:

Plötzlich, als wir am wenigsten damit rechneten, kommt Bewegung ins Geschäft.  Mit sehr kurzfristiger Vorwarnung kreuzt ein Lotsenboot auf, wir sollen einlaufen.  Da kommen wir aber alle ganz schnell in die Hufe, warum erst jetzt und nicht gestern.  `Ne knappe Stunde später setzt sich unsere dicke Kiste in Bewegung, in langsamer Fahrt und in der Schlussphase mit Schlepperunterstützung nähert sich die PROPONTIS ihrem Liegeplatz.  Am frühen Abend sind wir fest.

Schon eine Stunde später rauscht die erste „Angriffswelle“ an Land, in kleinen Gruppen tigern wir die Gangway runter und lernen als Erstes mal die ortsübliche Landgangsprozedur kennen.  Auf der Pier neben der Gangway-Plattform steht ein strammer Grenzsoldat mit einem aufgebockten Blechkasten.  Der kassiert von jedem Landgänger das Seefahrtbuch (normalerweise befinden sich während der ganzen Borddienstzeit die Seefahrtbücher zur Aufbewahrung in der Funkstation,  und erst bei der Abmusterung händige ich sie den Maaten wieder aus.  Hier mussten sie aber an alle Crewmitglieder ausgegeben werden).  Für das Buch erhält der Sailor vom Grenzer eine Nummernkarte.  Mit der kann er sein Seemannsbuch dann bei Rückkehr wieder eintauschen.  Befinden sich nach Mitternacht noch Bücher in dem Kasten, werden sie eingezogen, und der Zuspätkommer kann sich künftige Landgänge abschminken.

Am Hafentor dann nochmals gründliche Kontrolle und Überprüfung, gelegentlich auch Leibesvisitationen.  Ein heikler Moment, irgendwie müssen die Piepels ihre nicht deklarierten Dollars an Land schmuggeln, die sie dann auf dem Schwarzmarkt verhökern wollen.  Ich wende meine erprobte Methode aus der Südamerikafahrt an, die Kohle steckt in meinen hochgerollten Hemdsärmeln.

Der Rest ergibt sich von allein, in der Hafengegend wimmelt es von Schwarzhändlern aller Art, ziemlich schrägen Gestalten, die uns da aus Hauseingängen und hinter Parkbäumen zischelnd anlabern.  Und gleich am ersten Abend machen einige unserer Jungs ganz tolle Erfahrungen.  Die Schwarzhändler bescheißen auf Deibel komm raus.  Zählen dir das Geld auf die Klaue und ziehen es unten wieder weg.  Bei größeren Stapeln stecken sie doppelt gefaltete Scheine dazwischen und die zählen sie dann auch doppelt.  Zum Standardprogramm gehört eine gewisse Panikmache im Endstadium des Tauschgeschäftes.  „Polizia, Polizia“ keuchen sie, deuten auf irgendeinen Passanten und verschwinden in der aufkommenden Verunsicherung mit unserer und mit ihrer Kohle.  Dumm gelaufen.

Wir lernen aber schnell.  Tauschen nur noch im Team, ein Devisenhändler, zwei Bodyguards.  Brechen die Aktion sofort ab, wenn der „Geschäftspartner“ `ne schräge Nummer startet.  Und werden so täglich erfolgreicher.

Eine weitere Möglichkeit der günstigen Landgangsfinanzierung tut sich direkt an Bord auf.  Amerikanische Blue Jeans sind heiß begehrt im roten Osten, die Hafenarbeiter agieren als Zwischenhändler.  `Ne neue Levys bringt, man glaubt es kaum, 200 Rubel.  Ein durchschnittlicher Arbeiterlohn in der UdSSR.  Wir verhökern die Dinger blockweise, in den USA hatten wir uns ja gut eingedeckt.  Der Käufer hat dann das Problem, die Plünnen durch die Kontrollen von Bord zu schmuggeln, aber das klappt reibungslos.  Irgendwie schmiert hier jeder jeden.

Bei diesem ersten Landgang landen wir nach etwas Umhergestreune in einem Restaurant.  Die Kommunikation gestaltet sich überaus schwierig, aber nach einigem Durcheinander finden wir eine Verständigung mit dem Kellner.  Bestellen durch Fingerzeig irgendwas von der schmuddeligen Karte, die gerade mal sechs Positionen enthält.  Und dann radebrecht der Bediener etwas, das wie „Wodka oder Konjaki“ klingt.  OK, wir halten`s mit der Landessitte und ordern „Wodka“.  Soll wohl ein Apperitiv sein.  Von wegen.  Der knallt uns eine riesige Karaffe hin, randvoll mit diesem Kartoffelsprit.  Dazu vier Wassergläser.  Was wir später zu essen bekamen, weiß ich nicht mehr.  Ich wusste es, ehrlich gesagt, schon am nächsten Tag nicht mehr…

Am nachfolgenden Abend landen wir zum ersten Mal im Interclub.  Diese „Clubs“ sind aus sowjetischer Sicht die Einrichtungen, die wir eigentlich ausschließlich aufsuchen sollen.  Sind extra zur Betreuung der seefahrenden Ausländer eingerichtet worden.  Haben alle eine, wenn auch einfache, Gastronomieeinrichtung und dann noch `nen Saal für kulturelle Veranstaltungen.  Was sie aber noch haben, lässt des Seemannes Herz höher hüpfen.  Eine ganze Anzahl sehr ansehnlicher junger Russinnen hat Zugang zum Club, im Gegensatz zum sowjetischen Normalbürger.  Die Mädels müssen dafür nur zwei Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen linientreu sein und eine gängige Fremdsprache beherrschen.  Mit der Fremdsprache klappt das ganz gut, die Linientreue haben wir öfter ins Wanken gebracht.

Hier in Odessa sind das überwiegend Studentinnen oder bereits ausgebildete Akademikerinnen.  Und so lerne ich Galina kennen, Lehramtsstudentin mit Leistungsfach Deutsch, hübsch und so was von linientreu, dass die vermutlich mit Hammer und Sichel ihre Mahlzeiten zu sich nimmt anstatt mit Messer und Gabel.  Und da wir fast zwei Wochen an der Pier liegen, habe ich mir vorgenommen, die Standhaftigkeit der „roten Festung“ mal auszutesten.

Zunächst aber gibt’s Ärger.  Auch im Interclub wird der Wodka ausgeschenkt, als ob es kein Morgen mehr gäbe.  Immer in riesigen Gläsern, randvoll, „Nastrovje“ und runter in die Luke.

Und jetzt kommen da fröhlich pfeifend vier von unseren Gilbies durch die Tür, die haben am Tage auch `ne Levys verhökert und können mit dem Erlös sich und ihren ganzen Stamm zu Tode saufen, wenn sie denn wollen.  Ein Wodka im Club kostet einen Rubel.  Alkohol und Gilbies, das ist aber so was wie offenes Feuer und Schießpulver.  Eine Hiev Wodka und die Jungs von der Südsee werden vom galoppierenden Wahnsinn erfasst.  Das sage ich auch dem stellvertretenden Club-Direktor, der sich gerade hinterm Tresen aufhält.  Bitte ihn inständig, den Jungs keine harten Sachen einzutrichtern.  Und bekomme zur Antwort: „Bei uns in der Sowjetunion werden die  farbigen Menschen nicht diskriminiert wie bei ihnen im Westen.  Die sind genauso unsere Gäste wie sie!“ – „OK“, sage ich, dann wünsche ich noch einen angenehmen Abend, und jetzt mache ich mich vom Acker.

Am folgenden Tage höre ich zwei Versionen, eine von Galina und eine im Bericht der Agentur.  Die Sache geht aus wie von mir prophezeit.  Unsere vier Insulaner hauten sich `ne Kanne Wodka in die Birne, wurden aggressiv und schmissen irgendwann mit Möbeln.  Die netten Fräuleins verließen fluchtartig den Club, und der stellvertretende Direktor, der ja keine farbigen Menschen diskriminiert, versuchte unsere Gilbies zu beruhigen.  Die hauten ihm dafür fürstlich in die Fresse und wurden schlussendlich von der Miliz niedergeknüppelt und eingekerkert.  Für die komplette Besatzung gibt es ab sofort ein Zutrittsverbot für den Interclub.  Eine Rechnung für kaputte Bestuhlung und die Schneidezähne des stellvertretenden Club-Direktors werde uns noch zugestellt.

Ich hin zum Alten.  Man müsse doch was unternehmen, es ist ja nicht einsehbar, dass wir wegen des vorhersehbaren Ausrasters unserer Polynesier nun alle drunter leiden müssten.  Der Alte verhandelt mit dem Agenten.  Ich schildere dem die Vorgeschichte.  Dass ich ausdrücklich vor den Folgen eines Spirituosen-Ausschanks an die Gilbies gewarnt hatte.  Der Agent sagt uns Unterstützung zu.  Und am folgenden Tag verkündet er, dass wir wieder im Club erscheinen könnten.  Vorausetzung: Der Alte entschuldigt sich beim Club-Direktor.  Der willigt fluchend ein, verpflichtet mich aber zur Teilnahme am Canossa-Gang.  „Die Gilbies hauen den Laden zu Schrott und ich krieche hier zu Kreuze!“ murrt er noch, aber dann legen wir beide einen formvollendeten Diplomateneinsatz hin und liefern den erwarteten Kotau.  Der Direktor verhält sich stinkarrogant und äußerst mürrisch, aber wir dürfen den Club wieder betreten.  Sogar die Gilbies, außer den vier Übeltätern.  Die hocken aber `eh noch im Knast.  Aber die anderen Gilbies werden von nun an kräftig diskriminiert, die kriegen keinen Sprit mehr.  Und ich kann mich jetzt wieder um Galina kümmern.

Galina aber kümmert sich zunächst mal um die ganze PROPONTIS.  Aufgrund ihrer hervorragenden Deutschkenntnisse ist sie die Chefbetreuerin für alles, was unseren Kahn betrifft.  Für unsere Crew wird vom Club eine Stadtrundfahrt organisiert, Galina führt die Gruppe.  Wir erleben eine Stadt mit einem gewissen mediterranen, aber auch morbiden Charme.  Viele der alten Gebäude wurden in der Zarenzeit von italienischen Baumeistern errichtet.  Leider ist alles einem gewissen Zerfall ausgesetzt, die alte Metropole bröckelt so vor sich hin.  Gut erhalten sind lediglich die zahllosen Denkmäler, die an den „großen vaterländischen Krieg“ erinnern.

An einem anderen Tag wird die Besichtigung einer Sektkellerei angeboten, hier in der Nähe wird „Sovjetskoje Schampanskoje“ produziert.  Wieder mit einem Bus werden wir hingekarrt, Galina leitet die Expedition.  Und da ich nicht mehr von ihrer Seite weiche, lege ich mir selbst ein Ei.  Die Besucher der Sektkellerei werden nämlich zunächst in einer Art Aula begrüßt, außer uns auch jede Menge Russen.  Und dann begrüßt der Kellerei-Chef, oder was auch immer dieser Clown da vorne darstellt, besonders die deutsche Delegation, die heute zu Gast weile.  Das sind wir.  Galina übersetzt die schwülstige Ansprache und fordert mich dann auf, eine Dankesrede zu halten.  Scheiße noch mal, was soll ich denn hier labern?  Aber egal, wat mutt, dat mutt.  Ich stehe auf und quatsche irgendeinen Senf daher, große Ehre, hier sein zu dürfen und blablabla.  Galina übersetzt mein Gefasel, stehender Beifall aller Russen, danke, setzen!  Meine Kollegen hocken dabei und lachen sich `nen Ast.  Bei Galina aber habe ich jetzt hundert Punkte.  Das müsste doch ausbaufähig sein…

Dann folgt eine Sektverkostung.  Wobei den Russen auch noch westliche Trinkkultur vermittelt werden soll, langsam trinken, genüsslich über die Zunge ablaufen lassen.  Der Clown erklärt das, die Russen machen`s nach.  Nur die deutsche Delegation hält sich nicht ganz an die westliche Trinkkultur, die Maaten hauen Glas für Glas auf Ex runter.  Und halten als Erste ihre Gläser wieder zum Nachschenken hin, wenn die hiesigen Stewards aufkreuzen…

Immer wieder sind sie im Interclub bemüht, uns die kulturellen Errungenschaften der Sowjetunion zu demonstrieren.  So wird im Festsaal des Clubs ein klassisches Konzert angeboten.  Ausgerichtet von Absolventen einer Musikhochschule, die wohl im Interclub erste Erfahrungen mit Auftritten vor internationalem Publikum sammeln sollen.  Interessiert mich eigentlich nicht, aber Galina ist ganz heiß drauf.  Also bin ich auch heiß drauf.  Und sitze drei Stunden in dem sommerlich überhitzten Saal und lasse mir von irgendwelchen Nachwuchs-Sinfonikern einen geigen, bis mir der Schädel brummt.

Als nächstes kündigt Galina an, mit uns die Oper und dort  die Vorstellung eines klassischen Balletts zu besuchen.  Schwanensee, Ententeich, oder wie immer dieses Stück heißt...

 

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