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  Briefe aus Fernost – 1907 – Oberzahlmeister Otto Schulze berichtet

   Briefe aus Fernost - 1908 und 1011-1913  Oberzahlmeister Otto Schulze – Briefe aus Fernost – Teil 2   kindle-ebook 

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Oberzahlmeister Otto Schulze:

Briefe aus Fernost - 1908 - 1913 - Teil 2: Oberzahlmeister Otto Schulze schreibt aus Tsingtau - Band 79 in der...

 

Briefe aus Fernost – 1908 – 1913

 Das Leben in Tsingtau – Reisen nach Korea und Batavia

 

in Kooperation mit dem Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv

Die Kolonie des Deutschen Reiches im Osten Chinas ist geprägt von den Aktivitäten der kaiserlichen Marine, für die Otto Schulze als Oberzahlmeister bis 1908 auf einem in Tsingtau stationierten Torpedoboot wirkt.  Dann fährt er mit der Transsibirischen Eisenbahn zurück nach Deutschland und heiratet.  Ende 1911 reist Schulze erneut durch Russland nach Fernost aus, um auf dem Kreuzer „GNEISENAU“ als Zahlmeister zu dienen.  Die Briefe berichten über Reisen nach Japan und Batavia (Niederländisch Indien) und enthalten sehr interessante Schilderungen aus der noch heilen „guten alten Zeit“ vor dem Weltenbrand des alles Hergebrachte brutal zerstörenden großen Krieges, den „Willem zwo“ und seine Berater so leichtfertig mit verheerenden Folgen für Deutschland vom Zaune brachen.

 

ISBN 978-1505993899 (Amazon-Ausgabe)

 

 

Inhalt      

Innentitelblatt 

Inhaltsverzeichnis  

Vorwort des Herausgebers   

Briefe aus Tsingtau und von Reisen aus dem Jahre 1908 bis zur Heimreise   

Heimreise mit der transsibirischen Bahn    

Aufenthalt in Deutschland – Heirat   

Erneute Ausreise nach Fernost mit der Transsibirischen Eisenbahn 1911  

Zahlmeister auf Kreuzer „GNEISENAU“ in China  

Reise nach Japan –  Miyadzu Kyoto – Nagasaki   

Reise nach Japan – Nagasaki   

Reise nach Batavia    

Reise nach Japan – Beppo – Kobe  

Heimreise nach Deutschland  

Die Bände der maritimen gelben Buchreihe    

insgesamt 316 Seiten

Leseproben:

...In meinem Brief No.1 von Moskau habe ich die Reise bis dorthin geschildert und will nun da fortfahren, wo ich aufgehört hatte. Den Aufenthalt in Moskau brachte ich im selben Hotel wie vor drei Jahren zu, einem deutschen „Hotel Billo“.  In diesem Hotel war ebenfalls ein Ehepaar abgestiegen, das ich schon in Alexandrowo auf´s Korn genommen hatte; der Mann kam mir durchaus bekannt vor; aber man kann sich ja auch irren.  Bei der Abfahrt vom Hotel zum Bahnhof traf sich dann auch im Hotelwagen die Gelegenheit zur Annäherung, und hierbei stellte es sich dann auch heraus, dass wir uns 1907 in Ichang bei der Stromschnellenfahrt mit dem Admiral zusammen kennen gelernt hatten.  Der Herr war als Konsulatssekretär seiner Zeit Verweser des deutschen Konsulats in Ichang.  Nun wurden Erinnerungen ausgetauscht und wir freundeten uns sofort an, so dass wir auf der weiteren Reise unzertrennlich waren...

 

Donnerstag, 23.11.1911

Um 8 Uhr erhob ich mich.  Mein Coupégefährte steht zuerst auf, damit wir uns nicht im Wege stehen.  Im Coupé I. Klasse ein schöner Waschraum, jeden Tag frische Handtücher, reines Bettzeug, Seife.  Um ½ 10 Uhr Frühstück mit Fredecking´s.  Im Zuge fährt noch der chinesische Gesandte aus Paris mit; seine Mutter soll in Shanghai gestorben sein.  Es ist verheiratet mit einer Französin, die jedoch in Paris zurückgeblieben ist.  Ich lernte den kleinen, schlauen diplomatischen Vertreter des Reiches der Mitte in Paris durch meinen Coupégefährten kennen.  Er spricht natürlich geläufig französisch.  Im Zuge befinden sich außer vielen Deutschen vier Franzosen, Engländer, Amerikaner, Dänen, Russen, Japaner und Chinesen.  Als Krone aller Passagiere 6 Missionare, Jesuiten, mit langen schwarzen Kitteln angetan, die dazu berufen sind, den Heiden im fernen Osten die Kultur der allein seligmachenden Kirche zu bringen.  Na, meinetwegen, mir sind aber die verflixten Schwarzen nun einmal Brechmittel.  Tula passierten wir leider des nachts, so dass ich das gewünschte Gürtelschloss leider nicht kaufen konnte.  Das Wetter ist noch immer regnerisch mit Schnee vermischt.  Wir nähern uns dem Ural und somit der Grenze zwischen Europa und Asien.  Die Gegend ist recht eintönig, hin und wieder ein ärmliches Dorf, bestehend aus Lehmhütten, ähnlich wie in China.  Der Boden ist fruchtbar, schwerer Weizenboden, jedoch mangelhaft bebaut.  Zur Beleuchtung der russischen Zustände will ich kurz folgendes erzählen: Der Fabrikbesitzer, mit dem ich von Warschau bis Moskau zusammen fuhr, ist Kenner russischer Verhältnisse.  Er sagte mir, gelegentlich eines Gesprächs, dass zu jedem russischen Dorf ein großer Länderkomplex als Eigentum des gesamten Dorfes gehört.  Dieser Komplex wird zu gleichen Teilen je nach Anzahl der im Dorf ansässigen Männer unter diese zur Bewirtschaftung verteilt.  Jeder bewirtschaftet nun nicht mehr, als er unbedingt muss.  Der Erlös fließt in die Dorfkasse, und aus dieser erhält die Bewohnerschaft ihren Unterhalt, ganz nach dem Muster des Zukunftsstaates unsrer Sozis.  Will nun jemand nach der Stadt auswandern, so bedarf es hierzu der Genehmigung des gesamten Dorfes.  Hat er nun die Einwilligung seiner männlichen Dorfgenossen erhalten, so zieht er in die Stadt, muss aber einen großen Teil seines Verdienstes an sein Dorf abführen.  Tut er das nicht, so hat das Dorf die Berechtigung, seinen säumigen Landsmann mit Gewalt aus der Stadt zurückzuholen.  Ihm steht hierbei die Staatsautorität hilfreich zur Seite...

Die Verpflegung im Zug ist ganz gut.  I. Frühstück kostet 0,55 Rubel,  II. Frühstück 12 Uhr 1,25 Rubel und Diner – 6 Uhr abends – 1,50 Rubel = 3,30 Rubel, dazu an Trinkgeldern ca. 0,50 Rubel, Bier pp. ein Rubel = rund 5 Rubel = 11 Mark...

 

Die Züge haben nur wenig Aufenthalt, wenn er ´mal 10 oder 15 Minuten hält, stürmt alles hinaus, um sich einige Bewegung zu verschaffen und frische Luft zu schnappen.  Unser Zeitvertreib, d. h. Fredecking´s und der meinige, besteht meist im Dominospiel.  Dieses spielt man viel in den Clubs im fernen Osten, und ich werde auch ein solches für uns später beschaffen.  Abends tranken wir meist ein Gläschen Tee mit Zitrone und gingen dann um 11 Uhr schlafen.  Heute Abend passierten wir die große Wolgabrücke zwischen Batraki und Samara, 1.300 m lang.  Aus Samara schrieb ich Karte No 2. (Nr. 1 aus Warschau).

                                                                                Freitag, 24.11.1911

Um 9 Uhr verließ ich mein Nachtlager.  Es liegt etwas Schnee.  Mein Frühstück nahm ich zusammen mit meinem Coupégefährten und einem Reg. Baumeister Schiller aus Berlin ein.  Dieser alte Herr war in Samara erst eingestiegen und kam aus dem Kaukasus.  Noch gerade den letzten freien Platz im Zuge erwischte er.  Er war ein ganz netter‚ alter Herr, weitgereist, der nach Omsk fährt.  Er „macht“ in landwirtschaftlichen und anderen Maschinen.  Aus Ufa schrieb ich Karte № 3.  Das Wetter ist kalt, Regen und Schnee.  Auf der Station Ufa trank ich auf Euer Wohl zu meiner Erwärmung einen Wodka.  Hier auf der Station stehen Händler mit Edelsteinen, angeblich aus dem Ural stammend.  Tatsächlich sind sie aber aus Deutschland, nur dass man hier enorme Preise bezahlen muss.  Es kaufte kein Mensch...

Nun gelangen wir gegen Abend in den Ural; hier liegt viel Schnee.  Die Berge mit ihren schneebedeckten Wäldern bieten einen prachtvollen Anblick...

Nachdem wir den Ural passiert haben, befinden wir uns nun im eigentlichen Sibirien.  In Kurgan, einer ziemlich bedeutenden Stadt Sibiriens, hatten wir wieder 15 Minuten Aufenthalt, Lokomotivwechsel, Wasserübernahme.  Bis hier wurden die Lokomotiven mit Kohlen geheizt, jetzt fängt die Oelfeuerung (Naphta) an.  Die gewaltigen Lokomotiven mit ihren vier Zylindern machen einen bedeutenden Eindruck...

Dienstag, 28.11.1911

Der letzte Tag in diesem Zuge.  Mein Frühstück bestand nur in einem Glase Tee.  Dann esse ich erst um 2 Uhr etwas.  Ich muss doch schlank werden. – Heute schrieb ich Karte 8. – Augenblicklich haben wir ein Winterwetter, wie ich es noch nicht gesehen habe.  Ein dichtes Schneetreiben, dass man kaum aus dem Coupé im Freien etwas erkennen kann, dabei Frost.  Durch die Schneedecke lugt hier und dort in den Bergen und Schluchten, die wir durchfahren, rotes Gestein hindurch – schönster roter Sandstein.  Mit meinem Coupégefährten, dem Franzosen, Greilsammer mit Namen, habe ich mich recht angefreundet.  Er kommt aus dem Elsass, ist aber mit seinen Eltern noch vor 1870 nach Paris übergesiedelt.  Er ist ein überaus netter, alter Herr.  Ebenso lernte ich durch ihn noch zwei andere Franzosen kennen, ebenfalls ganz nette Menschen.  Mit den Ausländern hier im Zuge hat noch niemand von uns Deutschen näher Fühlung genommen...

Mittwoch, 29.11.1911

Auf der Fahrt nichts Neues, das Wetter bleibt klar, abends 6 Uhr haben wir 12° Celsius unter Null.  Die Lokomotive wird jetzt mit Holz geheizt, ein beständiger Funkenregen aus dem Schornstein des Dampfrosses bezeichnet unsern Weg durch die Berge.  Hier sind die Wälder rigoros heruntergehauen; an ein Wiederaufforsten denkt der Russe nicht.  Heute Abend hatten wir 23° Celsius minus, ohne Wind, eine schneidende Luft.  Ohren und Nase muss man gegen Erfrieren schützen...

                                                                                       06.01.1913

Mein Tagewerk habe ich heute vollendet...  Wir fahren bei herrlichstem Tropenwetter, die See ist etwas bewegt, so dass wir leichte Schlingerbewegungen machen.  Eine milde Brise fächelt kühlende Luft.  Ein Tag in den Tropen, wie ich ihn mit Dir gern einmal erleben möchte.  Jetzt denke ich es mir schön, mit Dir…  an Bord eines Postdampfers auf dem Promenadendeck im bequemen Liegestuhl diese herrliche tropische See zu genießen.  Aber wie nichts vollkommen ist, so auch dieser Genuss.   Für schwache Nerven ist diese Seeluft stärkend.  Klarer blauer, tiefblauer Himmel, Sonnenschein, dazu die leicht atmende See…  Nachts ist es ja etwas warm, selbst auf See, aber ich decke mich nur mit dem Bezug zu und kann schlafen.  Der elektrische Kammerventilator schafft Luftzirkulation, so dass es selbst bei einer Temperatur von 30 – 32 Grad Celsius erträglich ist.  Außer uns beide (SCHARNHORST & GNEISENAU) ist auf dem weiten, weiten Meere nichts zu sehen, kein Dampfer, ja selbst fliegende Fische kommen nur vereinzelt vor.  So habe ich mir die Reise gedacht und vergesse dabei die beiden ersten Tage schlechten Wetters, von dem ich am Anfang schrieb…

                                                                            In See, 07.01.1913

Wieder sind wir einen Tag länger in den tropischen Gewässern.  Gestern Abend trafen wir einen Dampfer, den wir anriefen, d. h. durch Morselampe.  Er nannte seinen Namen auf demselben Wege, es war ein englischer Dampfer, der uns zum Schluss „Gute Nacht und glückliche Reise“ wünschte.  Es ist internationale Sitte, dass sich in See begegnende Dampfer auf diese Weise verständigen.  

Abends saßen wir auf der Schanze plaudernd zusammen, um 10 Uhr legte ich mich ins Bett.  Trotz der großen Hitze schlief ich ganz leidlich.  Heute früh ¾ 7 Uhr stand ich auf, duschte wie gewöhnlich, und frühstückte.  Fleisch mag ich kaum noch sehen.  Ich aß zwei Äpfel und trank zwei kleine Tassen Kaffee dazu.  Dann ging ich spazieren bis 9 Uhr, um dann mein Tagewerk zu beginnen.  Ich arbeite jetzt nur in Hemdsärmeln, sonst ist es nicht auszuhalten.  Allmählich wird die Luft feuchter, und dadurch unangenehmer.  Ich merke es an meinem ganzen Befinden.  Unlustig, matt und abgespannt, so geht es jedem jetzt.  Ich bedauere nur immer die armen Heizer, die unten im Bergwerk bei einer Temperatur bis zu 56 Grad arbeiten müssen.  Was ich zur Erfrischung für diese armen Kerle tun kann, das setze ich auch durch...

                                                                                   08.01.1913

Seit zwei Stunden haben wir Borneo in Sicht und in ½ Stunde sollen wir Labuan anlaufen.  Morgen werdet Ihr es schon in den Zeitungen lesen, dass wir hier angekommen sind.  Viel ist vom Land nicht zu sehen, da der Himmel bedeckt ist.  Heute Nachmittag werde ich eine Stunde an Land gehen und versuchen, einige Bund Bananen für mich zu kaufen.  Ich will sie mir in der Kammer aufhängen und nach Bedarf abschneiden.  Das Wetter ist ruhig, auch nicht zu heiß; es ist ja auch der kühlste Monat hier.  Über Labuan schreibe ich heute Abend und morgen…

 

                                               Tandjong Priok (Batavia), 16. Januar 1913

…Häufig sitze ich an meinem Schreibtisch wie ein Träumer, unfähig, zu arbeiten, meine Gedanken sind weit, weit weg bei Dir, …und in solchen Momenten habe ich das Bordleben hier im Auslande so satt, alles ist mir zuwider.  Dann kommt die große Hitze, die den Menschen kaputt macht, namentlich, wenn man dabei, wie ich, seinen Dienst am Schreibtisch verrichten muss.  Wenn alle anderen Leute an Land gehen, darf ich an Bord bleiben, denn beim häufigen Wechsel der Häfen habe ich als Zahlmeister gerade am meisten zu tun.  Alle wollen Geld haben; wie oft bin ich Offizieren schon grob gekommen, wenn sie mich außerhalb der Zahlstunde belämmern.  Mitunter habe ich eine größere Arbeit vor mir, viel Rechnen, Zahlen, Zahlen usw., und dann kommt jemand, um Geld zu holen, oder ein Schiffshändler kommt; ich könnte mitunter aus der Haut fahren.  Gestern machte ich unter ganz besonders schwierigen Verhältnissen Löhnungzahlung.  Als ich dann meine Kasse nachzählte, war ich froh, dass sie sofort stimmte.  Nun kommt noch die Chininprophylaxe dazu.  Tandjong Priok ist ein schlimmes Malariafiebernest.  Um von dieser Krankheit verschont zu werden, müssen alle Leute Chinin einnehmen...

 

 

Das tropische Land bringt alles an Früchten hervor, was die Eingeborenen zum Leben gebrauchen; so bauen sie sich mitten im Urwald ihre Hütte und leben von Bananen, Kokosnüssen, haben eine kleine Hühnerzucht und arbeiten daher nicht gern, weil sie es ja nicht nötig haben.  Die Dienstboten, Boys, Bedienung in Hotels usw. sind natürlich alle Eingeborene, müssen aber vorsichtig behandelt werden, weil sie jähzornig und fanatisch sind.  Auf einer Plantage sagte die Frau des Besitzers – Holländer – ihrem Boy etwas, was ihm nicht passte.  Da griff der Kerl zum Messer und erstach seine Herrin am Esstisch, der Mann war momentan draußen in den Wirtschaftsräumen und findet seine erstochene Frau im Esszimmer.  Auch untereinander sind die Eingeborenen schnell mit dem Dolch bei der Hand.  Ein Herr erzählte mir, dass vor einiger Zeit seine Köchin nach Hause gekommen sei mit gänzlich aufgeschnittener rechter Hand.  Sie war auf dem Markte gewesen, wo sie ein anderes Mädchen traf.  Beide liebten denselben Mann.  Nun tragen selbst die Frauen meist im linken Ärmel einen Dolch bei sich, diesen ergriff die eine, als sie der Nebenbuhlerin ansichtig wurde, und wolle sie glatt niederstechen, nur dadurch, dass die Angegriffene in den Dolch hineingriff, wurde sie gerettet.  Jedoch rief ihr die andere hinterher, dass sie sie doch noch tot stechen werde.  

Durch Vermischung mit den Holländern ist eine wirklich schöne Rasse entstanden, besonders sind die Frauen und Mädchen im zweiten und dritten Grad direkt Schönheiten zu nennen.  Sie sind vollkommen europäisch gekleidet und nehmen, da die Mischlinge bei den Holländern für gleichberechtigt gehalten werden, die Stellung holländischer Damen ein, und heiraten auch nur noch Europäer...

 

...Morgen Mittag sind wir wieder in Batavia, um Kaisers Geburtstag zu feiern.  Durch die Zeitung werdet Ihr ja informiert sein, wo wir uns befinden.  Für den jetzigen Aufenthalt in Batavia ist ein großes Programm aufgestellt.

26. abends Mannschaftsfest in Batavia

27. abends Empfang beim Generalkonsul – dann Festessen in der Harmonie 

28. Großer Ball in der Concordia

27. vormittags: an Bord Festgottesdienst, Empfang der Deutschen an Bord. Dann werden noch verschiedene Familieneinladungen kommen, Besuche von Plantagen usw.  

Am 1. Februar Ball an Bord.

2. Februar gehen wir dann nach Singapore.

Die Einladungen in Batavia ist Dienst für uns, alle dienstfreien Herren müssen hingehen...

 

                                                                        Beppu, 11. April 1913

Unser Aufenthalt ist jetzt sehr angenehm, bei schönem Sommerwetter zeigt sich die japanische Berglandschaft in den reizendsten Farben.  Schade, dass Du Dich nicht mit an dieser Schönheit erfreuen kannst.  Vielleicht kommen wir auf unsrer geplanten Weltreise doch noch hierher.  Fern allem Getriebe liegen wir hier bei spiegelglatter See dicht unter Land und können uns erholen von den Anstrengungen des Dienstes der letzten Wochen.  Vorgestern Nachmittag nahm ich mit dem Stabsingenieur das erste Bad.  In einem schönen Pavillon befinden sich zwei Bassins – dieses Bad, welches uns zur Verfügung steht, gehört dem ersten japanischen Hotel –, etwa jedes Bassin 25 Quadratmeter groß und 1 Meter tief.  In einem Bassin befindet sich kohlensaures Wasser, das aus einer Quelle mitten im Boden des Bassins dauernd mit neuem Wasser versehen wird.  Die Temperatur des Wassers ist etwa 35 Grad Celsius.  Das andere Bassin ist ein Eisenbad, enthält gelblich trübe aussehendes Wasser von 48 Grad Celsius Temperatur, ebenfalls mit dauerndem Zu- und Abfluss.  Hier hält man es nur einige Minuten aus und kommt rot wie ein Krebs heraus.  Die Japaner sitzen in so heißem Wasser eine ganze Stunde, wie man es gewöhnt ist.  Wie ich im vorigen Brief schon schrieb, badet man hier wie man von Gott geschaffen ist, dabei laufen Japanerinnen, welche im Hotel angestellt sind, herum, sehen nach, ob man Handtücher hat, ganz harmlos, freuen sich über das Plätschern im Wasser und sind beim Anziehen behilflich.  Heute früh badete ich wieder mit zwei Kapitänleutnants, und als wir in das Bad kamen, saß friedlich eine Japanerin im Bad, ohne sich im Geringsten zu genieren.  Genauso harmlos, wie ich es Dir erzähle, ist das Leben hier, habe keine Hintergedanken dabei, mein Lieb, wie Du es z. B. bei meinen Beschreibungen des Lebens in Batavia hattest.  Einige Ansichtskarten habe ich hier über das Badeleben gekauft und sende sie Dir mit...

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